Skapulafrakturen stellen im klinischen Alltag eine seltene Frakturform dar. Sie repräsentieren eine komplexe Verletzung des Schultergürtels und sind häufig mit schweren Thoraxtraumata assoziiert. Die Entscheidung zwischen operativer und konservativer Therapie folgt keinen klaren Standards und wird häufig aus der klinischen Erfahrung heraus begründet. Nicht selten besteht eine Diskrepanz zwischen Versorgungsrealität und theoretischer Empfehlung.
FragestellungZiel dieser Arbeit war die epidemiologische Aufarbeitung von Skapulafrakturen in einem Level-1-Traumazentrum in einem Zeitraum von 10 Jahren sowie die Untersuchung der Versorgungsrealität der dokumentierten Skapulafrakturen in Bezug auf die von Cole et al. [14,15,16] publizierten Kriterien zur Therapieentscheidung.
Material und MethodenDazu erfolgte eine retrospektive monozentrische Studie an allen Patienten, die im Zeitraum vom 01.01.2010 bis zum 31.12.2019 aufgrund einer Skapulafraktur behandelt wurden. Die Studienkohorte wurde hinsichtlich epidemiologischer Daten, Frakturklassifikation nach Euler und Rüedi sowie Begleitverletzungen, Injury Severity Score (ISS), Unfallmechanismus und erfolgter Therapie analysiert.
ErgebnisseEs wurden 175 Patienten in die Analyse eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 47 ± 13 Jahre, ein geschlechtsspezifischer Altersunterschied ergab sich nicht. Häufigster Unfallmechanismus waren mit 60 % Folgen eines Verkehrsunfalls, gefolgt von Stürzen aus großer Höhe (38 %). Hierbei kam es in 58 % zur Polytraumatisierung, häufig mit thorakalen Begleitverletzungen einhergehend. Der mittlere ISS betrug 26 ± 18. Operativ versorgt wurden 38 Patienten, wobei nach Empfehlungskriterien zur operativen Versorgung die Indikation bei 77 Patienten bestanden hätte.
SchlussfolgerungSkapulafrakturen treten häufig bei mehrfach verletzten Patienten bei Hochrasanztraumata auf. Ihre Behandlung erfolgt überwiegend konservativ, was in Diskrepanz zu Empfehlungen hinsichtlich einer operativen Therapie steht.
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