Geringe Pflegebelastung und hohe Selbstwirksamkeit sind wesentlich um pflegende Angehörige gut auf die Pflege von Menschen mit Demenz vorzubereiten – Ergebnisse des TeleCareHub Projektes

Soziodemographie

Für die vorliegende Analyse wurden Daten von 308 iPuB eingeschlossen. In Tab. 1 sind soziodemographische Variablen der iPuB sowie der gepflegten Personen anhand zentraler Kenngrößen sowie die Ergebnisse der inferenzstatistischen Auswertungen der soziodemographischen Faktoren und deren Zusammenhang mit der PCS‑8 Skala dargestellt.

Tab. 1 Soziodemografische Faktoren von iPuB (N = 308) sowie gepflegten Personen und deren Zusammenhang mit der preparedness for caregiving scale (PCS-8)

Die Studienpopulation zeigte eine ungleiche Geschlechtsverteilung der iPuB (weiblich 76 %), welche keinen signifikanten Einfluss auf die „preparedness“ zeigte.

Bei iPuB, die Menschen mit einer diagnostizierten Demenz betreuten, zeigten sich signifikant niederere PCS‑8 Gesamtwerte (im Durchschnitt 1,70 Punkte weniger) im Vergleich zu jenen iPub, die Personen ohne eine diagnostizierte Demenzerkrankung betreuen.

Auch das Beziehungsverhältnis zur gepflegten Person wirkte sich signifikant auf die PCS‑8 Skala aus. Paarweise Post-Hoc Tukey Tests zeigten keine signifikanten Unterschiede zwischen den fünf Gruppen „Lebenspartner“, „Kind“, „Geschwister“, „Enkelkind“ und „Sonstige“ (außerfamiliäre Freunde und Nachbarn).

Für die anderen soziodemographischen Variablen (Geschlecht, Alter, Bildungsgrad, Berufstätigkeit, Pflegedauer, Pflegehäufigkeit, Wohnsituation und Pflegestufe) ergaben sich keine signifikanten Einflüsse auf die PCS‑8 Skala.

Interkorrelationsanalyse zwischen den verwendeten Skalen und Fragebögen

Es zeigten sich hoch signifikante positive Korrelationen zwischen „preparedness“ (PSC-8) und ASKU‑3 (Selbstwirksamkeit) und SQCRC-14 (Beziehungsqualität zur gepflegten Person), sowie negative Korrelationen mit ZBI‑7 Skala (Pflegebelastung) und PHQ‑9 (Depressivität). Auch zeigte sich eine signifikante negative Korrelation zwischen PSC‑8 und UCLA‑3 (Einsamkeit). Das Cronbach’s Alpha fand sich über alle Skalen hinweg in einem hohen Bereich (≥ 0,83). Die Ergebnisse der der Interkorrelationsanalysen sind in Abb. 1 graphisch dargestellt.

Abb. 1Abb. 1

Interkorrelationen (Spearman) der verwendeten Fragebögen bei informell Pflegenden und Betreuenden (iPuB, N = 308) dargestellt als Netzwerkdiagramm. Grüne Linien stellen positive und rote Linien negative Korrelationen dar. Korrelationen wurden je nach Signifikanz (*p < 0,05, **p < 0,01, ***p < 0,001) mit gestrichelter, dünner oder dicker Linie versehen. Nur signifikante Korrelationen wurde abgebildet

Ergebnisse der univariaten linearen Regressionsanalyse zur Vorhersage der PCS-8 Skala (preparedness)

In allen univariaten Regressionsanalysen wurde der Einfluss der Parameter Alter, Geschlecht und Bildungsgrad der iPuB und vorliegende Demenzdiagnose der gepflegten Personen auf die ermittelten Zusammenhänge zur PCS‑8 Skala als Kovariate berücksichtigt und damit kontrolliert. Zur besseren Vergleichbarkeit der ermittelten Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Skalen wurden zusätzlich die Gesamtwerte der validierten Fragebögen (abhängige Variablen) vorab z‑transformiert. Die Ergebnisse der univariaten Regressionsanalyse mit der PCS‑8 Skala (abhängige Variable), zeigten mit Ausnahme der ATI‑8 Skala (Technikaffinität) bei allen anderen verwendeten Skalen einen signifikanten Einfluss auf das Ausmaß der empfundenen „preparedness“. Höhere Selbstwirksamkeit (ASKU‑3, Akaike-Informationskriterium [AIC] = 795,3) und besserer Beziehungsqualität zur gepflegten Person (SQCRC-14, AIC = 792,2) waren signifikant prädiktiv für eine höheren PCS‑8 Wert. Im Gegensatz dazu waren eine höhere Pflegebelastung (ZBI‑7, AIC = 815,5), Depressivität (PHQ‑9, AIC = 825,9) und Einsamkeit (UCLA‑3, AIC = 851,1) prädiktiv für einen geringeren PCS‑8 Wert. Die Ergebnisse der univariaten linearen Regressionsmodelle zur Vorhersage der PCS‑8 sind in Abb. 2 graphisch veranschaulicht.

Abb. 2Abb. 2

Ergebnisse der univariaten linearen Regressionsanalyse zur Vorhersage der PCS‑8 Skala (preparedness). Preparedness for Caregiving Scale (PCS-8), Zarit-Burden-Interview (ZBI-7), Loneliness Scale (UCLA-3), Scale for the Quality of the Current Relationship in Caregiving (SQCRC-14), Affinity for Technology Interaction Scale (ATI-8), Allgemeine Selbstwirksamkeits-Kurzskala (ASKU-3), Patient Health Questionnaire (PHQ-9)

Ergebnisse der Regressionsanalysen einschließlich Moderations- und Mediationsanalysen zur Vorhersage der PCS-8 Skala (preparedness) bei iPuB ohne Pflegebelastung

Um den Einfluss von Pflegebelastung (belastet vs. nicht belastet) im Kontext der „preparedness“ von iPuB näher zu untersuchen, wurden nach Einteilung in belastete (N = 149) und nicht belasteten (N = 154) (ZBI‑7 cut-off ≥ 11) iPuB getrennte univariate Regressionsanalysen mit ZBI‑7 als unabhängige Variable und PCS‑8 als abhängige Variable unter Kontrolle zentraler Störvariablen (Alter, Geschlecht und Bildung von iPuB, vordiagnostizierte Demenz bei der gepflegten Personen) durchgeführt. Ein höherer ZBI – 7 Score bei nicht belasteten iPuB, sagte einen geringeren PCS‑8 Wert voraus (β = −0,318; SE = 0,077; p < 0,001). Da dieser Zusammenhang bei belasteten iPuB nicht bestand (β = −0,008; SE = 0,084; p = 0,928), erfolgten die weiteren Analysen ausschließlich bei nicht belasteten iPuB.

Der PCS‑8 Score zwischen belasteten (17,6 ± 6,1) und nicht belasteten (22,9 ± 5,5) iPuB unterscheidet sich signifikant im Durchschnitt um 5,3 Punkte, Wilcoxon-Rangsummen-Test (W) = 16804, p < 0,001.

Die für die Regressionsanalysen einschließlich Moderations- und Mediationsanalysen von nicht belasteten iPuB verwendeten soziodemographischen Daten und Variablen sind in Tab. 2 angeführt. In die Moderationsanalyse wurden 154 nicht belastete (ZBI-7 < 11) iPuB eingeschlossen. Die Analyse ergab einen signifikanten Effekt für den Moderator Pflegedauer: Die Vorhersage der PCS‑8 Skala durch die ZBI‑7 Skala wird bei einer Pflegedauer > 3 Jahre im Vergleich zur Referenzgruppe (Pflegedauer < 1 Jahr) signifikant um β5 = 0,458 verringert (SF = 0,195; p = 0,021) (siehe Tab. 3). Der dadurch sich ergebende Zusammenhang zwischen der ZBI‑7 Skala und PCS‑8 Skala für iPuB mit einer Pflegedauer von > 3 Jahren ist nicht signifikant (β1 + β5 = −0,083; SF = 0,117; p = 0,480). In Abb. 3 sind weitere Zusammenhänge zwischen den Skalen ZBI‑7 und PCS‑8, aufgeteilt nach einer Pflegedauer von < 1 Jahr (β1 = −0,540; SF = 0,156; p < 0,001) sowie 1–3 Jahren (β1 + β4 = −0,452; SF = 0,139; p = 0,001), visualisiert.

Tab. 2 Relevante soziodemografische Faktoren und Variablen von nicht belasteten iPuB (N = 154, ZBI-7 < 11) für die Regressionsanalysen einschließlich Moderations- und Mediationsanalysen.Tab. 3 Parallele multiple Mediation zwischen der unabhängigen Variable Zarit-Burden-Interview (ZBI-7) und der abhängigen Variable Preparedness for caregiving scale (PCS-8) bei nicht belasteten iPuB (N = 154).Abb. 3Abb. 3

Zusammenhang zwischen Preparedness for caregiving scale (PCS-8) und Zarit-Burden-Interview (ZBI-7) in Abhängigkeit von der Pflegedauer bei gering bzw. unbelasteten iPuB (N = 154). Variablen wurden z‑transformiert. Im Modell wurde zusätzlich für Alter, Geschlecht, Bildung von iPuB und vordiagnostizierte Demenz bei der gepflegten Person kontrolliert. *p < 0,01

Die Mediationsanalyse bei nicht belasteten iPuB (N = 154) ergab einen signifikanten totalen indirekten Effekt für den Einfluss des Parameters Pflegebelastung (ZBI‑7, unabhängige Variable) auf die „preparedness“ (PCS‑8, abhängige Variable) über die Mediatoren PHQ‑9, ASKU‑3 und SQCRC-14 (β = −0,163; Bootstrap SF = 0,050; [95 % KI: −0,263; −0,072]). Eine höhere Pflegebelastung erhöht somit die Depressivität, reduziert die Selbstwirksamkeit, reduziert die Beziehungsqualität und führt in weiterer Folge zu einer Verminderung der „preparedness“. Gleichzeitig war der direkte Effekt (c′) von ZBI‑7 auf die PCS‑8 nicht signifikant, was auf eine vollständige Mediation hindeutet (β = −0,115; SF = 0,074; p = 0123). Aufgrund hoher Multikollinearität und eines Suppressor-Effekts wurde auf die Prüfung des UCLA‑3 Scores im Model als weiterer Mediator verzichtet. Die Ergebnisse der multiplen Mediation sind in Tab. 4 und Abb. 4 dargestellt.

Tab. 4 Lineare Regression zur Vorhersage der Preparedness for caregiving scale (PCS‑8 abhängige Variable) mittels Zarit-Burden-Interview (ZBI-7) und Pflegedauer (unabhängige Variablen) sowie Interaktionstermen in gering bzw. unbelasteten iPuB (N = 154)Abb. 4Abb. 4

Statistisches Diagramm zur parallelen multiplen Mediation der unabhängigen Variable Zarit-Burden-Interview Skala (ZBI-7) auf die abhängige Variable Preparedness for Caregiving Skala (PCS-8) über die Mediatoren Scale for the Quality of the Current Relationship in Caregiving (SQCRC-14), Allgemeine Selbstwirksamkeits-Kurzskala (ASKU-3) und Patient Health Questionnaire (PHQ-9) in nicht belasteten iPuB (N = 154). Koeffizienten sind standardisiert. p < 0,05*; p < 0,01**

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